(Info am Anfang: Ich nutze jetzt einfach mal die weibliche Form in diesem Beitrag. Danke fürs Verständnis.)

Ein Lektorat ist kostenintensiv. Das ist ein Fakt. Aber: Es steckt auch viel Arbeit darin. (Siehe Erläuterung in diesem und in diesem Blogbeitrag.)

Am Ende werden Lektorinnen in der Regel aber nicht reich mit ihrem Job. Dafür sind sie mit dem Herzen voll dabei.

Es gibt aber ein paar Hebel, wie du die Kosten für ein Lektorat reduzieren kannst. Denn: je höher der Aufwand für die Lektorin, desto höher die Kosten. Und andersrum.

Hebel 1: Schicke der Lektorin niemals die Rohfassung deines Manuskripts

Eine Rohfassung ist die erste finale Fassung eines Manuskripts. Und wie der Name schon sagt: Sie ist roh. Heißt, inhaltlich, sprachlich und stilistisch noch sehr am Anfang. (Es sei denn, du bist schon jahrelang Autorin und hast schon so einige Bücher geschrieben, die auch ganz gut gekauft wurden. Denn: Mit der Zeit wird man immer besser. Aber auch erfahrene Autorinnen geben niemals Rohfassungen ab.)

Deshalb: Überarbeite dein Manuskript noch ein paar Mal, bevor du es ins Lektorat gibst. Prüfe es selbst auf inhaltliche Stimmigkeit, frage dich: Fehlt was, ist etwas doppelt, kann man die Figuren auseinanderhalten oder wirken sie alle gleich, ist es spannend, gibt es langatmige Phasen, tragen auch wirklich alle Szenen und alle Protagonisten zur Handlung bei? Lass es von Testleserinnen lesen, die all das beachten sollen. Und überarbeite noch mal. Tipp: Lass dein Manuskript zwischendurch liegen, damit du Abstand gewinnst.

Schau vor allem, ob du etwas kürzen kannst, denn: Weniger Seiten bedeuten weniger Kosten.

Hebel 2: Schreibe eine Kurzzusammenfassung

Und damit meine ich nicht den Klappentext. Etwas länger darf es schon sein. Eine Lektorin muss wissen, worum es in dem Buch geht, und zwar inkl. Ende. So kann sie sich viel besser auf das Lektorieren konzentrieren, denn sie weiß schon, was passiert.

Also, lass sie das Manuskript nicht erst intensiv lesen müssen, bevor sie zu lektorieren anfängt, das spart Zeit und Geld.

Hebel 3: Benenne die Zielgruppe

An wen ist das Buch gerichtet? Wer soll es lesen? Und damit ist nicht nur das Alter gemeint, sondern auch Einstellungen und aktuelle Lebensphasen. Wenn die Lektorin die Zielgruppe nicht kennt, kann sie auch nicht überprüfen, ob das Manuskript dazu passend ist. Und du nimmst ihr Arbeit ab, wenn sie das nicht erst selbst herausfinden muss.

Hebel 4: Benenne die Prämisse/Botschaft

Das ist (wie auch die Zielgruppe) sowieso etwas, das du dir überlegen solltest, bevor du zu schreiben anfängst. Denn alles, wirklich alles in deinem Buch sollte auf die Prämisse (und die Zielgruppe) ausgerichtet sein. Tut es das nicht, kann es raus.

Und auch hier: Wenn die Lektorin dies nicht kennt, kann sie auch nicht überprüfen, ob das Manuskript dazu passend ist. Und du nimmst ihr Arbeit ab – du ahnst es schon –, wenn sie das nicht erst selbst herausfinden muss.

Hebel 5: Schreibe die Punkte von Hebel 2, 3 und 4 direkt in deine Anfrage-Mail

… und lass es dir nicht mühsam aus der Nase ziehen. Denn auch der ganze Mailverkehr oder Telefonate bedeuten Aufwand für die Lektorin. Zwar bevor der eigentliche Auftrag zu Stande kommt, aber so stimmst du sie schon mal positiv überrascht, denn wer freut sich nicht über klare Anfragen, wo keine Fragen offenbleiben? Schafft direkt eine angenehme Atmosphäre.

Und ganz ehrlich, wenn ich nach drei Mails und einem Telefonat immer noch nichts über Hebel 2, 3 und 4 erfahren habe, breche ich das Ganze ab, denn dann weiß ich: Hier werde ich vermutlich so viel Aufwand haben, den mir am Ende keiner bezahlen will.

Und ja: Ich zumindest preise Handling (sprich: Mailverkehr, Telefonate) mit ein. Denn auch das kostet mich Zeit.

Weitere Dinge, die direkt in deiner Anfrage-Mail stehen sollten:

  • Genre (ggf. Subgenre)
  • Umfang (Gesamtzeichen inkl. Leerzeichen)
  • Erstes, zweites, drittes Buch?
  • Gab es schon Testleserinnen?
  • Gewünschtes Timing

Je mehr die Lektorin von Anfang an weiß, desto leichter wird es für sie und dich.

Vermeide unbedingt Anfragen wie:

Hallo XY,

ich habe ein Buch geschrieben und brauche jetzt Unterstützung. Können Sie mir helfen?

Viele Grüße

Z

Kein Witz, habe ich schon bekommen. Und das nicht selten. Du kannst dir vorstellen, wie solche Mails wirken?

Hebel 6: Leg dein Manuskript in Normseiten an

Denn das erleichtert das Lesen und Lektorieren enorm! Eine Seite mit max. 30 Zeilen à 60 Anschlägen, 1,5 Zeilen Zeilenabstand, maximal 1.500 Zeichen und genügend Randabstand ist, wie du dir denken kannst, einfach so unfassbar besser zu lesen als vollgequetschte Seiten in Schriftgröße 8.

Hebel 7: Setze Absätze und/oder nutze Zeileneinschübe

Jede Autorin sollte sich auch mit dem Setzen von Absätzen auseinandersetzen und das nicht der Lektorin überlassen. Natürlich wird die Lektorin darauf achten und entsprechend optimieren. Aber Letzteres ist natürlich viel weniger aufwendig als ein Manuskript, bei dem das einfach mal vergessen wurde.

Nur mal ganz grob:

Zeileneinschübe werden (in der Regel) gesetzt:

  • nach jedem Enden einer wörtlichen Rede von einer Person (darauffolgende Mimik und Gestik gehören noch mit zur wörtlichen Rede)

Beispiel:

      »Was? Das glaubst du doch wohl selbst nicht!«, schrie Jana. Aufgebracht zerriss sie das Stück Papier in ihren Händen.

      »Hey, jetzt beruhige dich doch mal!«, erwiderte Philipp und hob beschwichtigend die Hände.

  • wenn ein neuer Gedanke ins Spiel kommt

Beispiel:

Ich erinnerte mich an damals, als wäre es gestern gewesen. Hand in Hand liefen wir den Strand entlang und schworen uns, dass wir von nun an immer auf uns aufpassen würden.

      Na ja, jetzt saß ich hier und fragte mich, was nur aus uns geworden war.

  • wenn Spannung aufkommen soll

Beispiel:

Langsam ging sie die Treppenstufen hinab in den Keller. Es war nahezu stockdunkel. Lea zog ihr Handy aus der Hosentasche, um die Taschenlampenfunktion einzuschalten.

      Da. Plötzlich. Ein Knall.

      Dann noch einmal. Diesmal schepperte es kurz darauf ohrenbetäubend.

      Dann war Stille.

      Lea war vor Schreck das Handy aus der Hand gefallen. Zitternd hockte sie sich hin und versuchte, es auf dem feuchten Kellerboden zu ertasten. Sie hatte Angst.

      Sie wusste, sie hatten sie gefunden.

Absätze:

Absätze, also Leerzeilen, setzt man, wenn eine neue Szene beginnt, die zeitlich später oder auch früher spielt oder in einem anderen Setting, wenn eine andere Perspektive genutzt wird oder ein Rückblick eingeblendet werden soll.

Hebel 8: Lasse dein Manuskript schon mal von einer Freundin, einem Bekannten/Verwandten, einer Software oder einer KI auf Rechtschreibung und Zeichensetzung prüfen

Da brauche ich, glaube ich, nicht viel erklären. Ein Text, der durchzogen ist von Fehlern, ist natürlich viel aufwendiger in der Bearbeitung und somit teurer. Es ist ein Unterschied, ob die Lektorin 30 Fehler auf einer Seite findet und korrigieren muss oder 5.

Was du auch tun kannst: Nutze eine Korrektur-Software oder eine KI. Aber bedenke: KIs sind meist ans World Wide Web angebunden und die Daten, die du eingibst, werden für das KI-Training genutzt. Unveröffentlichte Manuskripte hochzuladen ist also (vorerst) noch nicht zu empfehlen. Aber du könntest einzelne Absätze prüfen lassen. Gute Programme, bei denen die Server zudem in Deutschland liegen, sind: languagetool.org und DeepL Write.

Das wären meine Tipps, was du alles beachten solltest, bevor du deine Anfrage/dein Manuskript losschickst. Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für meine Kolleginnen 

Du rockst das!

Und wenn du Hilfe brauchst, meld dich!

 

 

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